Fertigstellung der Risikobeurteilungen mit Hilfe der Risikobeurteilungs-Vorlagen

Ausgangspunkt:
Die Risikobeurteilungs-Vorlage (einmalige Vorbereitung einer Risikobeurteilung), die die zu betrachtende Maschine enthält, liegt vor oder muss angefertigt werden, z. B.

  • Beispiel 1: Risikobeurteilungs-Vorlage für Stetigförderer (EN 619 vollständig)
  • Beispiel 2: Risikobeurteilungs-Vorlage für Rollenbanden (EN 619 teilweise)

Ausstattung des Arbeitsplatzes:
Die Risikobeurteilungs-Vorlage wird für einen Arbeitsplatz mit zwei Bildschirmen vorbereitet:

  • Bildschirm 1 für Risikobeurteilungs-Vorlage bzw. Risikobeurteilung
  • Bildschirm 2 für die Anzeige der zu behandelten Norm (Norm in PDF-Format)

Welche Aufgaben muss der Anwender zur Fertigstellung der Risikobeurteilung noch ausführen?

1. Anpassen der vorbereiteten Risikobeurteilung an die reale Maschine
Beispiel Risikobeurteilungs-Vorlage für Rollenbahnen
Anpassen der vorbereiteten Risikobeurteilung an die speziellen Bedingungen die realen Rollenbahnen, wie umkleidete oder nicht umkleidete Geräte, Kreuzungen, Übergänge auf Rollenbahnen, hochklappbare Teile, Endbegrenzungen an Rollenbahnen, Geneigte Förderwege, Anordnung über Kopf, Not-Abschaltung über Reißleinen.
Alle vorbereiteten Gefährdungen für nicht zutreffende Konstruktionen, z. B. keine Übergange, werden ausgeblendet.
In einer Maschinenanlage können mehrere, verschiedene Rollenbahnen eingesetzt sein. Alle vorbereiteten Gefährdungen, die sich bei den Rollenbahnen unterscheiden, müssen die Normvorgaben mit Angabe der betreffenden Gefahrenstellen vervielfältigt werden.

2. Fertigstellen der Risikobeurteilung für die reale Maschine
Je nach Art der Normvorgabe muss der Konstrukteur, Steuerungstechniker etc. bei:

  • einer eindeutigen Vorgabe diese nur noch bestätigen,
  • der Vorgabe eines Lösungsspektrums eine Lösung festlegen und die Restgefährdungen einschätzen und bewerten,
  • Vorgabe eines allgemeinen Schutzziels eine vollständige Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 durchführen,
  • in den Normen nicht behandelte Gefährdungen sind diese zu ermitteln und gemäß EN ISO 12100 einer kompletten Risikobeurteilung zu unterziehen.

Hilfestellungen dazu sind in den Technologieempfehlungen zur Risikobeurteilungs-Vorlage angegeben.

Wie können die in den Normen nicht behandelten Gefährdungen erkannt werden?

Die von einer Typ C-Norm nicht behandelten Gefährdungen werden i. d. R. im Abschnitt Anwendungsbereich genannt.
Für Stetigförderer gemäß EN 619 sind das: "Kühlhausanwendungen, hohe Temperaturen, korrosive Umgebungen, starke magnetische Felder, explosionsgefährliche Atmosphäre, radioaktive Bedingungen, Fördergüter, die aufgrund ihrer Beschaffenheit gefährliche Situationen hervorrufen könnten (z. B. geschmolzenes Metall, Säuren/Laugen, besonders zerbrechliche Fördergüter, Sprengstoffe), Betrieb auf Schiffen, Auswirkungen von Erdbeben und auch Kontakt mit Lebensmitteln. Gefährdungen bei der Demontage sind nicht berücksichtigt."

Sie werden in den zur Risikobeurteilungs-Vorlage mitgelieferten von MMS Muck Maschinensicherheit GmbH erarbeiteten Technologie¬empfehlungen ebenfalls aufgeführt.

Im Hauptabschnitt 5 der Typ C-Norm wird auf eventuell zusätzliche noch nicht behandelte Gefährdungen hingewiesen.

In welcher Reihenfolge sollten die vorbereiteten Gefährdungen zweckmäßiger Weise abgearbeitet werden?
Die Risikobeurteilungs-Vorlagen können mehrere hundert Gefährdungen enthalten. Umso wichtiger ist, den methodisch schnellsten Weg zu finden.
1. Grundsatz: Erst die Inhalte der Typ C-Normen und Typ B-Normen abarbeiten und danach die in den Normen nicht behandelten Gefährdungen.
2. Grundsatz: Die konkreten Normen (Typ C-Normen) haben Vorrang vor den anderen Normen. Mit ihnen ist die Risikobeurteilung zu beginnen. Deshalb müssen die Typ C-Normen vor den Typ B-Normen abgearbeitet werden.
3. Grundsatz: Die Risikobetrachtungen während einer Typ C- oder Typ B-Norm sollten in der Reihenfolge der jeweiligen Gliederung der Norm bearbeitet werden.
Das hat den Vorteil, dass neben der Risikobeurteilung auf Bildschirm 1 die Norm auf dem Bildschirm 2 von Anfang an behandelt werden nun nur weiter geblättert werden muss.
Die Anwender werden während der Fertigstellung durch die vorgegebene Reihenfolge der zu behandelten Normen und durch die Technologieempfehlungen methodisch geführt. Bei davon abweichen-den Abarbeitungen enthalten die Technologieempfehlungen entsprechende Hinweise. Das gilt für einzelne Typ C-Normen, die die Vorgaben der Typ B-Normen beeinflussen.
4. Grundsatz: Die noch nicht behandelten Gefährdungen werden gemäß EN ISO 12100 bearbeitet. Die Bearbeitung erfolgt pro GSA, d. h. der Datenbestand wird nach GSA sortiert. Alle Gefährdungen einer GSA werden angezeigt, um daraus die bisher noch nicht behandelnden Gefährdungen zu identifizieren. Sie werden gemäß EN ISO 12100 behandelt.
Ein Musterbeispiel ist als Auszug aus einer Risikobeurteilungs-Vorlage für Rollenbahnen unter Download vorhanden.

Mit welchen methodischen Hilfestellungen kann der Anwender rechnen?

Vor allem für Einsteiger sind die Technologieempfehlungen für die Erstellung von Risikobeurteilungen zu empfehlen.
Sie enthalten die einzelnen Arbeitsschritte, Filterungen und Sortierungen des Datenbestands, Kontrollmöglichkeiten und zusätzlich nützliche Tipps.
Siehe hierzu die Technologieempfehlungen für die Erstellung von Risikobeurteilungen für Rollenbahnen [Download].

Tipp: Bei einer späteren Anwendung der Risikobeurteilungs-Vorlage für eine weitere Risikobeurteilung stehen nach Einblenden auch alle ehemaligen Vorgaben zur Verfügung. Bereits eingetragene Lösungen können leicht nachgenutzt werden.

Folgende Probleme sollten bald der Vergangenheit angehören:
Die meisten Konstrukteure lesen ihre Normen nicht so, wie sie für diese Anwendung verstanden werden müssten. Nach der „Verinnerlichung“ der Normen, also wenn der Norminhalt dann zum eigenen Fachwissen gehört, können sie wesentlich sicherer und schneller konstruieren.
Sie lassen sich vom Umfang einer Risikobeurteilungs-Vorlage abschrecken, statt sie zielgerichtet zu reduzieren.
Sie übersehen die vielen in der Risikobeurteilungs-Vorlage eingefügten Möglichkeiten, die Erarbeitungszeiten zu reduzieren.
Das können sein: Ausblenden der in den Normen enthaltenen aber hierfür nicht zutreffender konstruktiven Vorgaben, genereller Wegfall der Risikoeinschätzungen vor Festlegung der Maßnahme, vorgabenabhängiger Wegfall der Risikoeinschätzungen und Bewertungen nach der Festlegung der Maßnahme, Verzicht auf Beschreibung der Gefährdungen und/oder Beschreibung der Gefahrenstelle, wenn die Norm eine eindeutige Vorgabe enthält.